spurwerk.nrw

Stadtbahnunternehmen tun sich zusammen

02.02.2010 | 15:02

Im Rahmen einer Landespresskonferenz wurde heute in Düsseldorf die Kooperation spurwerk.nrw der Öffentlichkeit vorgestellt. Unter der Marke spurwerk.nrw haben sich in Nordrhein-Westfalen neun Stadtbahnunternehmen zu einer Kooperation zusammengefunden, um aus der Zusammenarbeit kommunaler Verkehrsunternehmen wirtschaftliche Vorteile zu erzielen. Landesverkehrsminister Lutz Lienenkämper hat die neue Kooperation –als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung bezeichnet. –Dieser Zusammenschluss und seine Absichten decken sich mit den Zielen der Landesregierung. Wir wollen den öffentlichen Personennahverkehr fördern, die Qualität stetig verbessern und die zur Verfügung stehenden Gelder möglichst effizient im Sinne der Kunden einsetzen–, sagte der Minister. Es gibt bereits einen ersten konkreten Erfolg: Durch eine gemeinsame Ausschreibung im Jahr 2009 gelang es den Verkehrsgesellschaften in Bochum, Bonn,  Dortmund, Essen und Köln, die Kosten für die Bestellung einer Anzahl von 86 Fahrtreppen deutlich zu senken. Die Dimension dieses Großauftrags ermöglichte eine Kostenreduzierung von 24 Prozent. Dazu Dipl.-Ing. Klaus-Peter Wandelenus, Geschäftsführer der MVG: –Das Ziel von spurwerk.nrw lautet, die Wirtschaftlichkeit bei der Beschaffung und Unterhaltung von Verkehrsanlagen und Fahrzeugen zu erhöhen und die Kosten zu senken. Der Kundennutzen liegt auf der Hand, eingesetzte Technik und Fahrbetrieb werden zuverlässiger und preisgünstiger, was langfristig einen Beitrag zu einer moderaten Preisentwicklung bedeutet.–

ITCS
Darüber hinaus kooperieren die Verkehrsbetriebe von Essen, Duisburg und Mülheim a.d. Ruhr zusammen mit der Düsseldorfer Rheinbahn bei einer europaweite Ausschreibung für ein digitales Funk- und Steuerungssysteme (ITCS – Intermodal transport control system). An dieser Ausschreibung sind zusätzlich die Bahnen der Stadt Monheim (BSM) beteiligt. Durch die Nutzung des sogenannten TETRA-Standards, der auch bei Polizei und Feuerwehr zum Einsatz kommt, verbessert ITCS sowohl die Sicherheit als auch den Kundenservice deutlich. ITCS ermöglicht zukünftig die Bereitstellung von Fahrgastinformationen mittels Echtzeit-Auskunft über verschiedene Medien wie zum Beispiel Internet oder SMS. 

Neun Verkehrsunternehmen
Bis heute beteiligen sich die Verkehrsunternehmen aus Bielefeld (moBiel - Ein Unternehmen der Stadtwerke Bielefeld GmbH), Bochum (BOGESTRA - Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG), Bonn (SWB - Stadtwerke Bonn GmbH), Dortmund (DSW 21 - Dortmunder Stadtwerke AG), Düsseldorf (Rheinbahn - Rheinische Bahngesellschaft AG), Duisburg (DVG - Duisburger Verkehrsgesellschaft AG), Essen (EVAG - Essener Verkehrs-AG), Köln (KVB - Kölner Verkehrs-Betriebe AG) und Mülheim/Ruhr (MVG - Mülheimer Verkehrsgesellschaft mbH) an spurwerk.nrw.

Ziel: Reduzierung von Aufwand und Kosten
Gegenstand der Beratungen sind Ersatzinvestitionen und Instandhaltung in den Bereichen Infrastruktur und Fahrzeuge. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Preisvorteile durch Bündelung und Optimierung der Einkaufsleistungen,
  • Materialbewirtschaftung, Personalentwicklung
     (Nachwuchsförderung insbesondere im technischen Bereich).
  • Bündelung und Ergänzung von Know-how,
  • Reduzierung von Aufwendungen durch gemeinsame Bearbeitung von Aufgabenstellungen,
  • Abstimmung und Angleichung von Techniken (Standardisierung),
  • Fortschreibung und Anpassung von Richtlinien,
  • Beschaffungskontinuität, Nutzung von kompatiblen Werkzeugen, z. B. Software,
  • Abstimmung in Genehmigungsfragen, z. B. Brandschutz,

Ausgangssituation
Der ÖPNV hält die Region mobil. Ohne Busse und Bahnen gäbe es in Deutschland  über 18 Millionen Autofahrten mehr am Tag. Durch den ÖPNV werden in Deutschland jedes Jahr 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart. Das entspricht der jährlichen Emission einer Großstadt wie Hamburg. Die Finanzierung des ÖPNV steht hierbei vor großen Herausforderungen: Die kommunalen Haushalte der Ruhrgebietsstädte sind angespannt. Aber ein guter Nahverkehr benötigt auch künftig eine planbare Mitfinanzierung aus öffentlichen Kassen. Dies gilt sowohl für die langfristigen Investitionen in die Infrastruktur als auch für den Betrieb. Bei steigenden Fahrgastzahlen gilt es, die Leistungsfähigkeit zu erhalten und nach Möglichkeit zu steigern. Die Finanzierung dieser Ersatzinvestitionen gestaltet sich aber umso schwieriger, als die ursprünglichen Investitionen seinerzeit von Bund und Land mit ca. 90 % gefördert worden sind, für den Erhalt dieser kommunalen Infrastruktur gibt es aber keine Fördermittel. Zur Substanzerhaltung der MVG wäre somit eine regelmäßige Zuführung von Eigenkapital notwendig, was angesichts der Haushaltslage der Stadt Mülheim a.d.R. zur Zeit nicht möglich ist. Das Gesamtinvestitionsvolumen im Infrastrukturbereich beträgt nominal über den Betrachtungshorizont 2007 – 2016 etwas 115 Millionen. Unter Berücksichtigung von Fördermitteln ergibt sich ein Eigenanteil für die MVG von etwa 86 Millionen Euro. Dafür wird die MVG Kredite aufnehmen müssen. Die Zinslast für diese Kredite belastet natürlich das wirtschaftliche Ergebnis und letztendlich wieder die Stadt Mülheim a.d.R.