Pferdedentist

Ins Maul geschaut

25.10.2011 | 10:40

Jochen Fuß ist in Mülheim und einem Umkreis von rund 200 Kilometern tätig. Wo immer Pferde Hilfe brauchen, wird der Pferdedentist aktiv.

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Jochen Fuß schaut Pferden ins Maul. Das ist seine Profession – denn er ist Pferdedentist! Jochen Fuß sorgt dafür, dass bei Wolfzähnen, Zahnstein oder auch zu langen Schneidezähnen professionell Abhilfe geschaffen wird. Das verschafft den edlen Tieren Erleichterung und dem Pferdenarren Fuß ein gutes Gefühl.

–Mal schauen, wie es unserem nächsten Patienten geht–, ist der 53-Jährige gespannt, als wir uns auf dem Weg zum Termin unterhalten. Der siebenjährige Westfale –Filou– wurde vor kurzer Zeit von Jochen Fuß behandelt – heute ist Nachsorge angesagt. Filous Besitzerin, die 18-jährige Joanna von Kries, sieht entspannt aus, mit dem Pferdedentisten hat sie in der Vergangenheit bereits gute Erfahrungen gemacht. –Wenn ich Veränderungen an meinen Pferden bemerke, die auf eine eventuelle Zahnproblematik hinweisen, dann rufe ich Jochen an–, erzählt sie. Ehe ich mich versehe, ist die Hand des Pferdezahnspezialisten bis zum Unterarm im Maul des Patienten verschwunden. Das bleibende Gebiss der Pferde verfügt immerhin über 36 bis 44 Zähne. Der Doc schaut zufrieden: –Alles in Ordnung bei Filou!–

Seit 1967 hat Jochen Fuß mit Pferden zu tun. Er war Turnierreiter, Pferdespediteur und Makler für Sport- und Zuchtpferde. Ursprünglich jedoch war er Zahntechniker – und so war es ausgerechnet Jochen Fuß– Zahnarzt, der ihn auf die Idee brachte, sich als Pferdedentist zu versuchen. Er ließ sich von dem Kanadier Louis Pequin ausbilden und arbeitet seit 2004 als hauptberuflicher Pferdedentist. –Da 80 Prozent der Motorik eines Pferdes vom Kiefergelenk ausgeht, ist es mein Credo, alle Zähne so gleichmäßig wie möglich in Kontakt zu bringen und perfekt auszubalancieren–, erklärt er. Jochen Fuß lebt von der Domestikation der Pferde. –Früher lebten sie in der freien Natur und waren hartes Steppengras gewöhnt. Als Haustiere bekommen sie anderes Futter und das hat auch Auswirkungen auf den Zahnapparat–, ergänzt er seine Ausführungen. Eine Abrasion der Zähne, also eine Abnutzung, findet laut Fuß heutzutage weniger statt. Der Pferdedentist gleicht dieses Manko dann aus. Seine Werkzeuge sehen dabei deutlich martialischer aus als vergleichbare Zahnarztinstrumente beim Menschen: Ob Diamantschleifer für die Frontzähne oder Handraspel für den Feinschliff, diese Teile flößen Respekt ein. Allzu unruhige Pferde werden bei größeren Eingriffen jedoch von einem Tierarzt sediert, so dass Jochen Fuß seiner Arbeit in Ruhe nachgehen kann.

Auch skurrile Geschichten erlebt Jochen Fuß zuhauf. So kam ein brandenburgischer Stutenmilchfarmbesitzer mal auf die fixe Idee, dass eine Zahnbehandlung auch positive Auswirkungen auf die Ertragsmenge der Stutenmilch bei optimiertem Futtereinsatz haben könnte. Und tatsächlich, nach einem Jahr konfrontierte der Farmbesitzer den Dentisten mit dem Ergebnis: Er hatte tatsächlich rund neun Prozent Futter einsparen können.

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