MobiLES 2011 in Essen

Autoren lesen auf der KulturLinie 107

20.09.2011 | 13:51

In der historischen Tram stellten die Partner das diesjährige Programm vor. V.l.: Kristiane Michels (Kultursekretariat Wuppertal), Alfons Wafner (Kulturbüro der Stadt Essen), Gaby Renz u. Nils Hoffmann (EVAG)

Die Veranstaltung ist in Essen schon ein bisschen Kult: Bereits zum sechsten Mal rollt am 29. September 2011 die historische Tram auf der KulturLinie 107 durch die abendliche Dämmerung. Mit an Bord sind drei höchst interessante Autoren – Michel Bergmann, Thomas Gsella und Friedrich Kröhnke – und jede Menge literaturbegeisterte Passagiere. Hier in Essen startet die diesjährige MobiLES-Tour, die am 30. September auch in Münster und am 1. Oktober in Bielefeld Station macht. MobiLES ist eine Veranstaltungsreihe des NRW Kultursekretariats in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro Essen, der EVAG, dem Schulkultur-Service Essen, der VHS und der AWO in Essen.

Die Fahrt beginnt um 19.00 Uhr – jeder Autor liest rund 30 Minuten. Thematisch dreht sich alles um Reisen, Orte und Urbanität. Es ist eben ein ganz besonderes Erlebnis, wenn sich beim Fahren durch die Stadt visuelle Eindrücke mit spannenden und unterhaltsamen Geschichten mischen. Zwischendurch gibt es eine kurze Pause, in der Zeit ist für ein Gespräch mit den Autoren, für ein Getränk oder auch zum Bücherkauf.

Die Autoren und ihre Werke

Der Essener Thomas Gsella, früher Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“, liest aus seinem Buch „Reiner Schönheit Glanz und Licht – Ihre Stadt im Schmähgedicht“, das im Februar bei Eichborn erschien. Welches Kaff, welche Metropole ist am schlimmsten?

Thomas Gsella hat viele von ihnen gesehen – und mit spitzer Feder darüber geschrieben. Herausgekommen ist ein Reiseführer der besonderen Art. Was aber zunächst böse und brachial wirkt, zaubert einem beim Zuhören doch ein Lächeln auf die Lippen. Denn in Gsellas wohl formulierten Reimen steckt viel Wahres. Ob Bern oder Berlin, ob München oder Monaco, ob Zagreb oder Zürich. Pointiert und ohne falsches Zaudern bringt der Satiriker auf den Punkt, was manche sich nur im Geheimen denken.

„Machloikes“ heißt der neue Roman von Michel Bergmann, erschienen im Arche-Verlag. Machloikes – das kommt aus dem Jiddischen und bedeutet so viel wie Durcheinander, Zwist. Acht Jahre nach dem Krieg beginnen die Wunden zu vernarben. Es gibt die Bundesrepublik Deutschland, einen volkstümlichen Präsidenten und einen scharfkantigen Kanzler. Und es gibt die wuseligen Teilacher, die jüdischen Handelsvertreter, die nach wie vor von Tür zu Tür ziehen. Robert Fränkel, die Berliner Stimmungskanone, hat geheiratet und sich mit einem Teppichladen selbstständig gemacht. Doch dann soll Fränkel einem CIA-Beamten erklären, warum sein Name in so vielen Akten der SS auftaucht. Dabei hat er im Krieg doch nur Witze erzählt, die allerdings so gut waren, dass er einige davon Adolf Hitler beibringen sollte.

Der feinsinnige Stilist Friedrich Kröhnke liest aus seinem aktuellen Roman „Nach Asmara!“ (Jung und Jung 2011): Reisen, ohne wirklich zu reisen, ohne wirklich anzukommen, einmal um die Welt und darüber hinaus. Nach Asmara fliegt Friedrich Kröhnkes unheroischer Held namens Frick. Aber Frick ist kein geistloser Tourist, eher ein ruheloser Melancholiker und für die Länge eines Romans ein wunderbarer Reisegefährte. Auch wenn er in der seltsam europäischen Moderne von Eritreas Hauptstadt Erlebnisse sanfter Erleuchtung hat, so bleibt er am Ende doch der nervöse Melancholiker, der er immer war.

Es sind noch einige Restkarten erhältlich. Tickets kosten 5 Euro (ermäßigt 3 Euro) und sind erhältlich in der Touristikzentrale Essen am Hauptbahnhof. Infos unter: Telefon 0201/ 8872048 oder touristikzentrale(at)essen.de.